Wiedersehen macht Freunde:
Unioner feierten gleich drei Jubiläen
Vor vierzig Jahren jagten sie gemeinsam dem Ball nach, sie trugen dabei Union-Trikots und sie bereiteten Tausenden auf den Rängen des Stadions An der Alten Försterei außerordentlich viel Freude.
Andere organisierten, betreuten und verwalteten alles, das zum Drumherum des 1. FC Union Berlin im Spielbetrieb der höchsten DDR-Spielklasse im Jahre 1986 gehörte – und dieser Alltag, das Freudebereiten war auch damals mit Sorgfalt, Genauigkeit und hingebungsvoll gemeistert worden.
Viele der damals aktiven Spieler, der tätigen Vorstandsmitglieder und der beschäftigten Klub- und Stadionmitarbeiter kamen am vergangenen Sonnabend auf Einladung des 1. FC Union Berlin anlässlich der 1986er-Jubiläen zusammen: Das DDR-Pokalendspiel war seinerzeit erreicht und der Intercup-Fußball-Wettbewerb erfolgreich mit dem Gruppensieg beendet worden. Als Aufsteiger hatte die Mannschaft den siebenten der vierzehn Tabellenplätze erreicht. Und noch zwanzig Jahre zuvor hatten andere Unioner den ersten aller FCU-Aufstiege geschafft. Mithin Gründe genug für ein Wiedersehen. Mit Begleitung, denn Unioner sind nie allein.
Am Spreeufer am Berliner Dom sorgte die immer zahlreicher werdende und auffällige Gruppe – viele waren mit Schal und in Trikots oder Shirts erschienen – für die Aufmerksamkeit der das Stadtzentrum erkundenden Touristen. Mit dem Erscheinen des Ausflugsschiffes Helgard – der Eddyline-Schwester der Viktoria – an der Anlegestelle aber entzogen sich die inzwischen mehr als siebzig Unioner der Betrachterneugier; sie betraten das Schiff. Nicht erst hier gab es fröhliche Wiedersehensszenen, und auch die meist eher leise an den Nebenmann gerichteten Fragen nach dem „Wer eigentlich“? Wer eigentlich der oder die dort sei, doch, irgendwie bekannt, irgendwie – nach vierzig Jahren ist das Wiedererkennen dann auch ein wichtiger Programmpunkt, zumal nicht jeder damals mit dem Anderen ständig zu tun hatte in den tagtäglichen Abläufen. Und Zeit kennt selten Gnade, wie auch die Sonne zuweilen, was sich noch herausstellen würde.
Die Plätze an den weiß gedeckten Tischen waren eingenommen, alle Gäste begrüßt, die ersten Mineralwasserflaschen schnell geleert – die Ausflugstemperatur hatte die dreißig-Grad-Marke bald erreicht und das Hinablächeln jener Sonne erwies sich schnell als scharfer Blick … Die Mühlendammschleuse öffnete ihre Tore in Richtung der Spree, raus aus der Innenstadt, als die Erinnerungspäckchen und die Anekdotenschächtelchen lange schon weit offen standen. Manch Linksaußen hatte seinen Außen von der anderen Seite des grünen Rasens sehr lange nicht gesehen. Vereinswechsel und Umzüge in so manche Ferne hatten Kontaktlinien deutlich verkürzt. Der ehemalige Platzwart, der aus dem fernen Offenburg angereist war, verstand sich dennoch bestens mit seinen Kollegen, die noch heute Berliner Sportplatzgrün grün halten. Und die beiden, die damals ums Torleerhalten konkurrierten, verstanden einander ebenso bestens. Zwei, die das Geschehen damals beruflich im Blick hatten, klönten mittendrin – damals schrieben sie für ihre Leser von Pokalendspielungemach und anschließender Intercupfreude, und noch heute berichten sie den ebenfalls etwas älter Gewordenen von den Fußballplätzen und dem Drumherum. Ein frohes Gemurmel der Verteidiger, Mittelfeld- und Angriffsspieler mischte sich mit den Gesprächsfetzen derer, die einst in den Büros wirkten, für die Gesundheit sorgten oder den Mannschaftsbus durch die Republik lenkten.
Ein Klang der Geselligkeit übertönte den stets leise nebenherbrummelnden Schiffsantrieb; hier ein frisches Lachen, dort ein neues Rufen nach den tüchtigen Helgard-Mitarbeitern, die unverdrossen von der gewissen Enge an Deck Tisch für Tisch mit Bier und Wasser und so allerlei mehr, das in Gläser und wieder heraus gehörte und ebenso mit Mini-Burgern, Wraps, Geflügelfleisch-Spießen und mit Kuchen und Obst für die Teller versorgten. Die dann auch bald geleert waren, für den folgenden Gang. Berlin-Mitte verlassen, Friedrichshain erreicht, bald ins Treptow vorne rein und hinten raus und noch ein Stück und das Kabelwerk Oberspree backbord – die Union-Heimat lag vor dem Bug. Die Sonne blickte noch immer streng und immer gestrenger werdend auf das Treiben und auf die Mineralwasserflaschen, die ihre Kühle und Frische kaum aufgeben konnten unter diesem Blicke. Schnell waren sie geleert wie die anderen Drinks, und noch schneller und noch immer bestens gelaunt erschien die Eddyline-Besatzung aus der Kombüse mit dem nächsten Tablett.
Die Erinnerungspäckchen und Anekdotenschachteln waren längst auch ergänzt mit den Tütchen voll des Hier und Jetzt. Dieses kam immer näher nach dem Linksschwenk in Köpenick, runter von der Spree und drauf zu auf das Mecklenburger Dorf, das inzwischen auch nur noch Anekdote ist, wo immerhin im Heute aber ein Anlegesteg bereitstand. Alle versemmelten Chancen von einst, alle Traum- und weniger Traumtore nachgeschossen, jeder taktische Missgriff von damals in einen eigentlich ganz schlauen Plan verwandelt – die Welt war in Ordnung, das Schiff am Steg, das Stadion geöffnet.
Programmpunkt nun: die Gegenwart, das Saisoneröffnung der Sportkameraden von heute mit ihren Gegnern aus Ipswich. Irgendwo kam immer jemand her, Lok Leipzig kommt sobald nicht mehr, Chemie Halle wohl auch nicht, dafür ist Bayer Leverkusen in Sicht. Frankfurt noch deutlicher, aber die kommen längst nicht mehr von der Oder daher, und Mailand und Madrid waren auch schon zu Gast. Romantik ist süß, Union in der Gegenwart macht Spaß, ein 2:4 kann auch egal sein und die Erkenntnis Einmal Unioner – immer Unioner bewahrheitete sich einmal mehr, wie auch die, dass ein Wiedersehen Freude mache und bei Union nochmal so sehr.