Lang ist's her, oder auch nicht:
Ratschläge an das 18-jährige Ich eines Fußballers
Während die Sonne über Irdning erbarmungslos auf den Trainingsplatz brannte, stand für die Eisernen die erste öffentliche Einheit des Sommertrainingslagers auf dem Programm. In intensiven Spielformen und verschiedenen Pressingübungen arbeitete die Mannschaft an taktischen Abläufen, ehe zum Abschluss noch Linienläufe warteten. Als die Einheit beendet war, waren die Auswirkungen der Belastung vielen Akteuren deutlich anzusehen.
Für einen Akteur hatte der heutige Tag allerdings noch eine weitere Bedeutung: Nachwuchsspieler Duje Sliskovic feierte seinen 18. Geburtstag. Ein Alter, an das sich viele seiner Teamkollegen noch bestens erinnern können: der Einstieg in den Profifußball, erste Trainingslager, neue Herausforderungen und jede Menge Erfahrungen, die sich häufig erst mit etwas Abstand richtig einordnen lassen. Grund genug für eine kleine Zeitreise und die Frage: Was würdest du deinem 18-jährigen Ich heute mit auf den Weg geben?
Mut, Selbstvertrauen und die eigene Persönlichkeit
Die Antworten fielen so unterschiedlich aus wie die Karrierewege der Befragten. Für Christopher Trimmel, den ältesten Spieler des Kaders und langjährigen Kapitän der Eisernen, steht vor allem eines im Vordergrund: „Kopf rausstecken, nicht vergraben. Immer Gas geben, sich zeigen wollen, mutig sein. Mit den Mitspielern offen umgehen, sich was trauen, aber sich auch nicht verstellen, sondern sich selbst treu bleiben“, rät der Österreicher seinem jüngeren Ich.
Eine Botschaft, die auch Geburtstagskind Duje Sliskovic wichtig findet. Der Nachwuchsspieler betont vor allem die Balance zwischen Selbstvertrauen und Fingerspitzengefühl. Wer seinen Platz in einer Mannschaft finden möchte, müsse authentisch bleiben und gleichzeitig ein Gespür für die unterschiedlichen Charaktere innerhalb einer Gruppe entwickeln. Auf dem Platz sei die Aufgabe dagegen vergleichsweise einfach: „Einfach alles geben.“
Von denen lernen, die den Weg bereits gegangen sind
Wer zum ersten Mal im Trainingslager dabei ist, profitiert oft von Spielern und Verantwortlichen, die diese Situation bereits dutzende Male erlebt haben. Genau darauf setzt auch Geschäftsführer Profifußball Männer Horst Heldt. Sein Rat fällt kurz und prägnant aus: „Häng dich an die Alten.“
In eine ähnliche Richtung denkt auch Vizekapitän Rani Khedira, der vor allem die tägliche Professionalität hervorhebt. „Bereite dich immer bestmöglich auf den nächsten Tag vor“, lautet seine Botschaft an sein jüngeres Ich. Beide Antworten eint derselbe Gedanke: Entwicklung beginnt oft damit, aufmerksam zuzuhören und von den Erfahrungen anderer zu profitieren.
Rückschläge als Teil des Weges
Dass der Weg zum Profifußball selten geradlinig verläuft, weiß auch Oluwaseun Ogbemudia. Besonders passend: Der Innenverteidiger feierte selbst vor zwei Jahren während des Trainingslagers in Längenfeld seinen 18. Geburtstag. Seitdem ist einiges passiert. Am heutigen Mittwoch gab der 20-Jährige der Fußball-Fachzeitschrift kicker sein erstes Interview und blickt inzwischen auf wichtige Erfahrungen zurück. Rückschlägen misst er dabei eine besondere Bedeutung bei. Gerade schwierige Phasen hätten ihm geholfen, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Auch seine Leihe nach Mannheim mit regelmäßiger Spielzeit sei ein wichtiger Schritt gewesen. Mittlerweile fühlt sich Ogbemudia „im Flow“ und verfolgt ein klares Ziel: sich bei Union durchsetzen. Seinem jüngeren Ich würde er deshalb vor allem eines raten: „Ambitioniert bleiben und niemals nachlassen.“
Mit einem Augenzwinkern zurückgeblickt
Nicht jede Antwort fiel dabei ausschließlich ernst aus. Sommerneuzugang Zeno Van den Bosch dachte vor allem an die körperlichen Anforderungen eines Trainingslagers und empfahl seinem 18-jährigen Ich schmunzelnd: „Viel ausruhen und schlafen, denn die Tage werden hart.“ Athletiktrainer Martin Krüger hatte dagegen einen eher modischen Hinweis parat: „Möglichst keine bunten Schuhe“, sagte er lachend und ergänzte: „Damit habe ich eher schlechte Erfahrungen gemacht.“
Vieles liegt noch vor einem
Zwischen Trimmels Mutmacher, Khediras Professionalität, Ogbemudias Beharrlichkeit, Sliskovic’ Fingerspitzengefühl und Van den Boschs Schlaftipps zog sich letztlich ein gemeinsamer Gedanke durch die Gespräche: Jeder Weg verläuft anders. Für die einen sind es Rückschläge, die prägen. Für andere Begegnungen, Erfahrungen oder Chancen, die im richtigen Moment genutzt wurden. Was jedoch alle Befragten verbindet: Mit 18 Jahren liegt noch unglaublich viel vor einem.
Zitat des Tages: „Weiße Würstl, Wiener!“ ertönte es begleitet von einer Kuhglocke während der öffentlichen Trainingseinheit.
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