Die Sprache der Trainer:
Zwischen Kommandos, Korrekturen und klaren Botschaften
Wer das Training der Eisernen am Donnerstag beobachtete, bekam nicht nur intensive Spielformen zu sehen. Mindestens genauso auffällig war das, was zwischen den Übungen zu hören war. Denn während die Spieler über den Platz sprinteten, war von allen Seiten Kommunikation gefragt: Kommandos, Hinweise, Lob, Korrekturen oder kurze Nachfragen begleiteten nahezu jede Aktion. Die Sprache des Trainings hat viele Facetten. Und jede Stimme an der Seitenlinie ihre eigene.
Der Chef gibt die Richtung vor
Im Zentrum steht natürlich Cheftrainer Mauro Lustrinelli. Der Schweizer wirkt während der Einheiten präsent, aber nie hektisch. Seine Anweisungen sind klar und präzise, häufig kombiniert er kurze Korrekturen mit konkreten Lösungen. Dabei wechselt er bei Bedarf zwischen Deutsch, Schweizerdeutsch, Italienisch und Englisch. Wer die Augen schließt und dem Training nur zuhört, könnte die neue Spielidee der Eisernen fast schon erkennen. „Press, Press, Press“, ruft Lustrinelli. Wenige Sekunden später folgte: „Nach vorne!“
Die Kommandos begleiten nahezu jede Spielform und jede Pressingübung. Sie sind Erinnerung, Aufforderung und Philosophie zugleich. Denn genau dort soll die Reise hingehen: aktiv verteidigen, mutig anlaufen und nach Ballgewinnen möglichst schnell wieder den Weg in Richtung gegnerisches Tor suchen.
Eine gemeinsame Sprache finden
Nicht nur die Spieler müssen sich auf neue Abläufe einstellen. Auch das Trainerteam befindet sich in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess: „Natürlich haben wir vor dem Spiel und auch vor dem Training Absprachen, wer was übernimmt, wer was coacht und dementsprechend, wer was kommuniziert“, erklärt Co-Trainer Sascha Stauch. Diese Abstimmungen gehören zum Alltag des Trainerteams. „Dieser Teil mit den Absprachen wird natürlich täglich geführt und auch je nach Trainingsschwerpunkt angepasst“, ergänzt Sebastian Bönig. Das Ziel dabei ist klar: Die Botschaften sollen bei den Spielern eindeutig ankommen. Schließlich helfen die besten Inhalte wenig, wenn sie unterschiedlich vermittelt werden.
Viele Stimmen, eine Botschaft
Jeder Trainer bringt dabei seine eigene Stimme und Persönlichkeit auf den Platz, diese sind jedoch weniger als feste Rollenverteilung zu verstehen, sondern vielmehr als eine Momentaufnahme des Tages und der jeweiligen Trainingsinhalte. Sebastian Bönig war aber wie gewohnt vor allem als lautstarke Unterstützung und Motivation zu hören. „Ja, komm! Pack ihn!“, „Tief Junge, tief!“, „Schieß, Olu!“ oder ein kurzes „Sauber“ begleiteten zahlreiche Aktionen.
Sascha Stauch griff immer wieder mit gezielten Hinweisen zu Bewegungsabläufen und Positionierungen ein, während Enrico Schirinzi auf kurze, prägnante Kommandos setzte. Mit einem knappen „Gegen!“ erinnerte er die Spieler beispielsweise an die gewünschte Reaktion nach Ballverlusten. Michel Renggli wiederum fiel an diesem Donnerstag besonders durch positive Rückmeldungen auf. „Gut geholt, Tim“ oder „Weiter, weiter!“ waren über den Platz zu hören und unterstrichen gelungene Aktionen unmittelbar im Trainingsbetrieb.
Restverteidigung oder präventives Verteidigen?
Dass sich eine gemeinsame Trainersprache nicht von heute auf morgen entwickelt, liegt auch an den unterschiedlichen Hintergründen des Trainerteams. „Wir versuchen schon als Trainerteam eine Sprache zu sprechen, damit die Spieler auch immer wissen, was gemeint ist“, sagt Stauch. Dafür arbeiten die Trainer aktuell an einer gemeinsamen Begriffswelt. „Wir überlegen uns schon eine Art Wörterbuch, da sind wir aber natürlich auch noch in einer Findungsphase. Da müssen wir manchmal auch unterscheiden zwischen Deutsch und Englisch.“ Hinzu kommen sprachliche Eigenheiten aus verschiedenen Fußballkulturen. „Das sind natürlich auch Unterschiede bei Deutsch und Schweizerdeutsch“, erklärt Stauch. Als Beispiel nennt er einen Begriff, der im modernen Fußball häufig verwendet wird: Während in Deutschland meist von „Restverteidigung“ gesprochen wird, heißt derselbe Vorgang in der Schweiz oft „präventives Verteidigen“.
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Die Sprache der Torhüter
Eine besondere Rolle innerhalb des Trainerteams nimmt Torwarttrainer Marcel Höttecke ein. Während viele Inhalte die gesamte Mannschaft betreffen, arbeitet er täglich mit einer Positionsgruppe, die auf dem Platz eigene Aufgaben und Anforderungen erfüllt. „Bei den Torhütern versuche ich natürlich, auch im Training mit der nötigen Schärfe und Intensität zu kommunizieren“, beschreibt Höttecke seinen Ansatz. Besonders in Spielformen nutzt er seine Position hinter dem Tor, um Situationen aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. „Wenn ich hinterm Tor stehe, versuche ich gezielt etwas anzusprechen oder in den Pausen auch die Perspektive der Jungs einzuholen und darüber zu sprechen, wie sie das wahrgenommen haben.“
Dass dabei häufig kurze Hinweise wie „Kurze Ecke zu!“ über den Platz schallen, gehört zur speziellen Sprache des Torwartspiels. Oft reichen wenige Worte aus, um Stellungsspiel, Entscheidungsverhalten oder Abläufe zu korrigieren. Gleichzeitig lebt die Arbeit vom ständigen Austausch. Denn auch für die Torhüter gilt: Kommunikation funktioniert am besten in beide Richtungen.
Die Stimme aus dem Hintergrund
Während auf dem Trainingsplatz viele Anweisungen direkt hörbar sind, arbeitet Adrian Wittmann häufig etwas weniger sichtbar. Als Verantwortlicher für die Spielanalyse liefert er die Informationen, die später in Besprechungen, Einzelgesprächen oder auf dem Trainingsplatz vermittelt werden. Seine Sprache besteht häufig aus Bildern, Daten und Videoszenen. Was die Spieler später auf dem Platz umsetzen sollen, beginnt nicht selten zuvor am Bildschirm.
Mehr als nur Kommandos
Wie die Mannschaft befindet sich auch das Trainerteam zu Beginn einer neuen Saison in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess. Unterschiedliche Erfahrungen, verschiedene Herkunftsländer und individuelle Kommunikationsstile treffen aufeinander und wachsen Schritt für Schritt zusammen. „Wie die Mannschaft und die Spieler sich zu Beginn einer neuen Saison finden müssen, müssen wir das natürlich auch“, beschreibt Sebastian Bönig die aktuelle Situation. Am Ende soll daraus mehr werden, als viele einzelne Stimmen. „Am Ende werden wir - und damit auch unsere Sprache - immer mehr zu einer Einheit“, sagt der Co-Trainer.
Nach einer weiteren intensiven Einheit in Irdning wurde daher nicht nur sichtbar, woran die Eisernen auf dem Platz arbeiten. Man konnte auch hören, wie sich im Hintergrund Schritt für Schritt eine gemeinsame Sprache entwickelt. Unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Stimmen, aber ein gemeinsames Ziel: die Mannschaft jeden Tag ein Stück besser zu machen.
Personalupdate und Informationen zum Fanabend
Angreifer Andrej Ilić musste das Trainingslager in der Steiermark krankheitsbedingt vorzeitig verlassen. Der Serbe trat am Donnerstag die Rückreise nach Berlin an, um sich dort vollständig auf seine Genesung zu konzentrieren.
Alle weiteren mitgereisten Union-Profis werden hingegen beim traditionellen Fanabend vor Ort dabei sein. Die Veranstaltung beginnt am Freitag, dem 07.08.2026. Ab 19 Uhr öffnen sich die Türen der Festhalle Irdning (Kürschnergasse, 8952 Irdning), wo die Mannschaft gemeinsam mit den mitgereisten Unionern den Abend verbringen wird.
Zitat des Tages: „Da vergisst man manchmal, dass man nicht mehr Ende Zwanzig ist“, sagte Co-Trainer Sebastian Bönig schmunzelnd, nachdem er sich dazu entschieden hatte, vom Trainingsplatz zurück zum Hotel zu joggen und dabei einige Höhenmeter in Kauf zu nehmen.
Die Tagebucheinträge im Überblick: